Vermittlung in Kommunikationsnetzen
Thomas Mickstein
Inhaltsverzeichnis
1. Wie wird die Vermittlung realisiert?
1.1. Aufbau der Vermittlungsstelle
1.2. Aufgaben der Vermittlungsstellen
2. Funktionsweise einer Vermittlungsstelle
2.1. Nutznachrichten:
2.2. Steuernachrichten:
3. Koppeleinrichtungen
3.1. Koppelelemente
3.1.1. Koppelpunkte
3.1.2. Koppelreihe
3.1.3. Koppelvielfach
4. Arten der Vermittlung
4.1. Leitungsvermittlung
4.2. Speichervermittlung
5. Steuerung des Vermittlungssystems
5.1. Steuerung in digitalen Vermittlungsstellen
5.1.1. Zentrale Steuerung
5.1.2. Teilzentrale Steuerung
5.1.3. Dezentrale Steuerung
Literatur
Die Vermittlung in Kommunikationsnetzen, wird in sogenannten
Vermittlungsstellen (auch Netzknoten genannt) mit Hilfe von
Vermittlungssystemen realisiert. Ein Vermittlungssystem ist ein
spezielles System, welches in Netzknoten zur Vermittlung oder
Verteilung von Nachrichten dient. Netzknoten in Netzen sind zentrale
Einrichtungen, die es ermöglichen, Nachrichten aufgrund von
Zielinformationen durch das Netz zu leiten.
Vereinfachte Darstellung des Netzes
Ein Vermittlungsstelle besteht aus mehreren Koppeleinrichtungen,
welche wiederum aus Relais (Metallische Koppelpunkte) oder
Transistoren ( Elektronische Koppelpunkte) oder optischen
Koppelpunkten bestehen, die bei einem Verbindungswunsch die Leitung
innerhalb des Vermittlungssystems freischalten und somit die
Verbindung zur nächsten Vermittlungsstelle oder zum angerufenen
Teilnehmer aufbauen. Untereinander sind die Vermittlungsstellen mit
Leitungsbündeln verbunden. Die Endeinrichtungen am Netz werden durch
Anschlussleitungen (Asl) zu den Vermittlungsstellen (Netzknoten)
geführt. Nicht alle Vermittlungsstellen besitzen auch angeschlossene
Endeinrichtungen; Transitvermittlungsstellen (Fernvermittlungsstellen
und Auslandsvermittlungsstellen) schalten nur Leitungsbündel.
Die Vermittlungsstellen verbinden im weitesten Sinne immer Eingänge
und Ausgänge miteinander. Die Vermittlungsstelle hat die Aufgabe, die
Nachricht eines anrufenden Teilnehmers zu einem anderen, den
angerufenen Teilnehmer durchzuschalten. Am Verbindungsaufbau zwischen
den Teilnehmern sind, bedingt durch die Netzstruktur des
Fernmeldenetzes, oft mehrere Vermittlungsstellen in den verschiedenen
Netzebenen beteiligt. Vermittlungsstellen stellen also ein Koppelfeld
dar, welches in der Praxis sehr unterschiedlich aufgebaut sein kann.
Zum Verbindungsaufbau zwischen zwei Teilnehmern werden bestimmte
Steuerzeichen benötigt, welche vom anrufenden Teilnehmer über das
Telefon oder Modem an die Vermittlungsstelle gesendet werden, wodurch
die technischen Einrichtungen die eigentliche Zusammenschaltung
realisieren können. Nach Beendigung des Nachrichtenaustausches müssen
die beteiligten technischen Einrichtungen wieder ausgelöst werden, um
wieder für neue Verbindungswünsche zur Verfügung stehen zu
können. Außerdem gibt es auch noch Vermittlungssysteme, die
Schaltaufträge von Netzmanagementsystemen erhalten und unabhängig von
Teilnehmern agieren. Die Vermittlungsstelle muss für den Schaltauftrag
eine Wegsuche veranlassen, welche durch zentrale Steuerungen oder auch
mehrere verteilte Steuerungen geschieht. Für den Verbindungsaufbau
sind verschiedene Informationen oder Nachrichten erforderlich.
- Sind zum Beispiel Sprache oder Daten.
Typische Steuernachrichten sind:
- Anzeige eines Verbindungswunsches durch Abheben des Hörers
- Wählen (Senden) der gewünschten Rufnummer (Wahlinformation)
- Rufen des angewählten Teilnehmers
- Senden der Rufanzeige (Freiton) zum anrufenden Teilnehmer, wenn
der angewählte Teilnehmer frei ist
- Signalisierung der Meldung des anrufenden Teilnehmers
(z.Bsp. wichtig für die Gebührenerfassung)
- Auslösung der Verbindung nach Beendigung des Gesprächs
Koppeleinrichtungen (Switching Network), oft auch Koppelanordnungen
genannt, sind die zentralen Funktionselemente von
Vermittlungsstellen. Sie stellen eine wahlweise Verbindung von
Zubringer- und Abnehmerleitung für die Dauer einer
Nachrichtenübertragung her. Die Gesamtheit der Koppeleinrichtungen
einer Vermittlungsstelle wird als Koppelnetz bezeichnet. Strukturell
zusammenhängende Teile eines Koppelnetzes werden Koppelfeld
genannt. Die Gesamtheit aller derjenigen Koppelfelder einer
Koppelanordnung, die strukturell an gleicher Stelle liegen, heißt
Koppelstufe. Aus benachbarten Koppelstufen gebildete
Gruppierungseinheiten werden Koppelgruppe genannt.
Als ein Koppelelement bezeichnet man eine elementare Schalteinrichtung
in Koppeleinrichtungen, die Leitungen verbindet.
Ein Koppelpunkt / Crosspoint besteht aus Koppelelementen, die eine,
zwei oder mehrere Leitungen über gemeinsam geschaltete mechanische,
elektronische oder optische Kontakte verbindet. Die Anordnung von
Koppelpunkten zu technischen Funktionseinheiten stellen die
Koppelreihe und das Koppelvielfach dar. Im allgemeinen ist ein
Koppelpunkt ein mehradriger Kontakt , der eine ankommende mit einer
abgehenden Leitung temporär verbindet.
Bild eines mechanischen Koppelpunktes
Darstellung eines mechanischen
Koppelpunktes
Eine Koppelreihe besteht aus einer ankommenden Leitung, die wahlweise
mit einer von k abgehenden Leitungen verbunden werden kann. Sie ist
also aus mehreren hintereinander geschalteten Koppelpunkten aufgebaut,
welche alle die selbe ankommende Leitung haben.
Symbole für eine Koppeleinrichtungen:
Symbol für eine Koppeleinrichtungen
Symbol für eine Koppeleinrichtungen
Wähler: Ein Wähler ist ein elektromagnetisch betätigtes
Schrittschaltwerk mit den Hauptbestandteilen Schrittschaltwerk,
Schaltarmsatz und Kontaktbank. Nach der Art der möglichen Bewegung des
Schrittschaltwerkes unterscheidet man Drehwähler und
Hebdrehwähler. Die Schaltarme eines Drehwählers werden nur gedreht,
während Hebdrehwähler zwei Bewegungen ausführen können: Hebdrehwähler
können die Schaltarme heben und danach drehen.
Ein Koppelvielfach besteht aus einer Anordnung von i Koppelreihen mit
k vielfachgeschalteten Ausgängen. Ein Koppelvielfach erlaubt, dass von
jeder ankommenden Leitung zu jeder freien abgehenden Leitung
durchgeschaltet werden kann.
Es gibt zwei Arten bei der Vermittlung bzw. Verbindung zwischen
ankommenden und abgehenden Leitungen einer oder mehrerer
Vermittlungsstellen.
Werden für die Dauer des Verbindungsaufbaus innerhalb des
Vermittlungssystems bestimmte Leitungswege zur Zusammen- oder
Durchschaltung genutzt, bezeichnet man diese Art der Durchschaltung
als Leitungs- oder Durchschaltevermittlung. In einem idealen
Koppelfeld geht man davon aus, das theoretisch jeder Eingang mit jedem
Ausgang jederzeit verbunden werden könnte. In der Praxis allerdings
geht man davon aus, dass immer nur eine begrenzte Zahl von Eingängen
( z.B. Teilnehmern) gleichzeitig belegt sind und Fernsprechverkehr
erzeugen. Aufgrund dieser Tatsache können die Vermittlungsstellen
bzw. deren "innere Verbindungswege" so dimensioniert werden, dass sie
sowohl den technischen Anforderungen (zu erwartende Fernsprech-
Verkehrslast) als auch den wirtschaftlichen Gesichtpunkten Rechnung
tragen. Innerhalb einer Leitungsvermittlung kann also nur eine
begrenzte Anzahl von Verbindungen gleichzeitig durchgeschaltet
werden. Sind alle Leitungswege belegt, führt jeder weitere
Durchschaltversuch unweigerlich zu Verlusten, das heißt, ein
Teilnehmer, der zu diesem Zeitpunkt einen Verbindungswunsch hat,
bekommt ein "Besetzt" Zeichen. Die Höhe des Verlustes an
Vermittlungswünschen stellt ein Maß für die Leistungsfähigkeit eines
Vermittlungssystems dar.
Die Koppeleinrichtungen einer Leitungsvermittlung, bei der also für
jede einzelne Durchschaltung bzw. Verbindung fest zugeordnete
Leitungen für die Dauer der Verbindung zusammengeschaltet werden,
bezeichnet man als Multiplex. Typische Vertreter eines Raumvielfaches
sind Koppelfelder mit elektromechanischen Kopplern
(z.B. elektromechanische Wähler oder Koordinatenschalter). In einem
Raumvielfach werden Koppelelement für die gesamte Dauer einer
Verbindung geschaltet. Hierzu stehen unterschiedliche Technologien
bereit:
Metallische Koppelpunkte:
- Relais
- Wähler
- Crossbarschalter
Elektronische Koppelpunkte:
- Transistoren
- Feldeffekttransistoren
- Thyristoren
Optische Koppelpunkte:
- Materialien für optische Schaltkreise:
- Titan (Ti) in einem elektrooptischen Kristall aus Lithiumniobat
(LiNbO3)
- Indiumphosphid (InP)
- Galiumarsenid (GaAs)
- Yttrium-Aluminium-Granat mit Gallium dotiert (Ga:Y3Al5O12)
Bei der Speicher- Vermittlung, werden die Nachrichten, die über die
Eingangsleitung zur digitalen Vermittlungsstelle geschickt werden,
zunächst in einen Speicher eingelesen und zu einem späteren Zeitpunkt
an eine Ausgangsleitung weitergegeben. Die Vermittlung erfolgt
innerhalb der digitalen Vermittlungsstelle über PCM-30-Systeme durch
Durchschaltung von 8-Bit-PCM-Wörtern von jeweils 30 Kanälen im
Multiplexverfahren (Verbindungswege werden mehrfach ausgenutzt). In
der Speichervermittlung wird von den Nachrichten der Eingangsleitung
zu verschiedenen Zeitpunkten (t1 ... t32 ) Proben entnommen,
bearbeitet und zu den Ausgangsleitungen durchgeschaltet. Man spricht
bei dieser Art der Kopplung von einem Zeitmultiplex.
Zur Vermittlung bzw. Durchschaltung von Nachrichten innerhalb eines
Vermittlungssystems (Vermittlungsstelle), müssen die für den
Verbindungsaufbau benötigten Komponenten zur Zusammen- oder
Durchschaltung veranlasst (gesteuert) werden. Die Steuerungen
bewerkstelligen die Signalisierung, die Wegsuche, den Aufbau, die
Überwachung und den Abbau von Nachrichtenverbindungen.
In digitalen Vermittlungsstellen wird dass grundsätzlich mit Hilfe von
programmierbaren Steuerrechnern realisiert. Werden die Steuerbefehle
(Steuerlogik) als Programm in Speichern abgelegt, so nennt man sie SPC
- Vermittlungssysteme. (SPC = stored program control =
Speicherprogrammierbare Steuerung) Zum Beispiel kann man einen
Steuerrechner für ein Vermittlungssystem verwenden, oder innerhalb
eines Vermittlungssystems mehrere Steuerrechner für abgegrenzte
Aufgaben einsetzten, um bestimmte Vermittlungsvorgänge zu realisieren.
Die Steuerung eines digitalen Vermittlungssystem, wird grundsätzlich
in folgende Steuerungsformen unterschieden.
- Zentrale Steuerung
- Teilzentrale Steuerung
- Dezentrale Steuerung
Alle Steueraufgaben bzw. Steuerfunktionen werden von einem zentralen
Steuerwerk realisiert. Der Ausfall der Zentralsteuerung bedeutet den
Ausfall der gesamten Vermittlungsstelle.
Einzelne technische Einrichtungen der Vermittlungsstelle werden durch
gesonderte Steuereinrichtungen gesteuert, so dass diese Aufgaben nicht
durch die zentrale Steuerung übernommen werden müssen. Es werden
Teilbereiche innerhalb der Gesamtsteuerung von hierarchisch
untergeordneten elektronischen Steuerwerken verwaltet. Ein
kurzzeitiger Ausfall der Zentralsteuerung kann durch die teilzentrale
Steuerung überbrückt werden.
Jede Komponente, die zum Verbindungsaufbau benötigt wird, ist mit
einem eigenen Steuerrechner ausgerüstet, so dass jede Systemkomponente
ihren Teil zum Verbindungsaufbau beitragen kann. Der Ausfall eines
einzelnen Steuerrechners macht sich für den gesamten Verbindungsaufbau
kaum bemerkbar.
- [HA]:
Wolf-Dieter Haaß:
Handbuch der Kommunikationsnetze.
Springer Verlag, 1997, ISBN 3-540-61837-6.
- [FSI]:
Frey / Schönfeld:
Alles über Euro-ISDN.
Franzis
Verlag, 1997, ISBN 3-7723-6775-5.
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Letzte Änderung: 2002-06-13 11:10:23
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